Surface Laptop: Tolle Hardware, weniger tolle Software

Mit dem Surface Laptop bringt Microsoft einen Laptop mit Touchscreen auf den Markt. Radio4TNG hatte das Gerät im Test.

Mit dem Surface Book betrat Microsoft neues Territorium. Das Tablet konnte innert weniger Sekunden in einen vollwertigen Laptop umfunktioniert werden. Das Gerät wird heute an vielen Schulen oder Universitäten verwendet. Mit dem Surface Laptop versucht Microsoft nun, an den Erfolg des Surface Book anzuknüpfen, wobei die beiden Gerätelinien streng genommen unabhängig voneinander laufen.

Wenn man das Gerät auspackt, fällt zuerst das schlichte und wirklich schicke Design auf. Die Verarbeitung ist gelungen, das Gehäuse ist dünn und dennoch handlich. Aussen ist das Gerät silbern legiert, um den Bildschirm herum findet sich ein schwarzer Rahmen. Und auch die Tastatur ist äusserst angenehm. Die Tasten sind aus Plastik und haben einen relativ kurzen Anschlag, was mich persönlich jedoch nicht allzu sehr stört. Positiv ist ausserdem der Gummi-Bezug rund um die Tastatur herum, der dem Laptop einen sehr angenehmen Touch gibt. Anders als beim MacBook mit seinem kühlen Aluminiumrahmen legt man beim Surface Laptop die Handballen beim Tippen gerne auf das Gerät. Positiv herausheben lässt sich ausserdem das Sound-System. Die Lautsprecher klingen überraschend gut für einen Laptop, auch die Bässe sind für die Dicke des Gerätes herausragend. Filme schauen oder Musik hören macht mit dem Surface Laptop Spass.

Bei der Benutzung der Gerätes ist natürlich vor allem das Display wichtig, und hier hat Microsoft ganze Arbeit geleistet. Der Bildschirm überzeugt mit einer realistischen und genauen Farbdarstellung, einer herausragenden Schärfe und vor allem genügend Helligkeit. Wie die meisten Laptop-Displays spiegelt allerdings auch der Bildschirm des Surface Laptop, was in meiner Testumgebung kaum ein Problem darstellte. Anders dagegen dürfte es im Sommer sein, wenn die Arbeit in der Uni oder in der Schule nach draussen verlegt wird. Die Arbeit mit einem spiegelnden Display dürfte spätestens bei genügend Sonneneinstrahlung eher schwierig werden.
Ebenfalls positiv herauszuheben ist die Möglichkeit, den Bildschirm per Touch-Eingabe zu bedienen. In den meisten Fällten habe ich die Bedienung per Trackpad bevorzugt, da auch dieses sehr solide funktioniert und einen guten Druckpunkt hat. Doch zum ersten Mal in meiner schulischen Karriere kam auch ich in den Genuss von handgeschriebenen OneNote-Notizen. Diese sind deutlich einfacher und vor allem schneller anzufertigen als mit der Tastatur und machen ausserdem noch Spass.

Die Software zerstört die Illusion des tollen Laptops

Und dann ist da noch die Software, welche die Illusion des eigentlich tollen Surface Laptop  praktisch komplett wieder zerstört. Denn der Laptop kommt nicht etwa mit Windows 10 Pro, sondern mit dem neuen Windows 10 S, welches Microsoft im vergangenen Jahr vorstellte. Windows 10 S soll sicherer sein als der grosse Bruder, indem es nur Apps aus dem eigenen Windows Store erlaubt. Die Idee dahinter ist grundsätzlich begrüssenswert, doch viele alltägliche Programme finden sich auch nach längerer Suche nicht im Windows Store. Das hat zur Folge, dass man bei der Benutzung auf verschiedenste Programme wie etwa die meisten Adobe-Programme oder Audacity als Schnittprogramm verzichten muss. Auch beim Browser ist man an das hauseigene Microsoft Edge gebunden. Stürzt der Browser ab, was leider öfters der Fall ist, gibt es keine Möglichkeit auf Firefox oder Chrome auszuweichen.

Auch die Office-Suite befindet sich erst in einer Beta-Phase und muss umständlich über den Windows Store gefunden und dann installiert werden. Auch diese Programme stürzen des Öfteren ab und verursachen so eine tiefe Unzufriedenheit bei der Benutzung. So verlor ich beim Verfassen dieses Textes rund 150 Wörter, als Microsoft Word während des Speichervorganges abstürzte. Auch PowerPoint funktioniert leider nicht solide genug, weshalb ich bei Präsentationen in der Schule doch lieber auf mein MacBook vertraute. Schade eigentlich, doch immerhin bietet Microsoft die Möglichkeit, auf Windows 10 Pro umzusteigen.

Fazit: Toller Laptop mit weniger toller Software

Das Microsoft Surface Laptop hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck. Überzeugen vermag die wirklich gelungene Verarbeitung mit einer äusserst angenehmen Tastatur, einem tollen Sound-System und einem tollen Display mit Touch-Eingabe. Damit machen handschriftliche Markierungen und Notizen in OneNote richtig Spass, auch wenn sich das Surface Book wohl noch ein bisschen besser zu diesem Zweck eignen würde. Ebenfalls kann die allgemeine Performance des Gerätes überzeugen, ein schnelles Aufstarten sowie die Möglichkeit, das Gerät mit dem eigenen Gesicht zu entsperren, sorgen für viel Fluss in der Benutzung.

Doch genau dieser Fluss wird durch die Software wieder unterbunden, denn mit Windows 10 S bringt Microsoft ein meiner Meinung nach unfertig wirkendes Betriebssystem auf den Markt. Apps können nur aus dem Windows Store geladen werden, was zu grossen Einschränkungen führt. Und Abstürze der aus dem Store geladenen Apps sorgen für Frust und Datenverlust. Dass ich mich bei einer PowerPoint-Präsentation nicht auf mein Surface Laptop verlassen wollte und stattdessen auf mein MacBook zurückgriff, spricht für sich. Hier muss Microsoft dringend nachlegen, denn am Ende bewirbt die Firma das Gerät als idealen Begleiter für Studenten und Schüler. Und die werden kaum Freude haben, wenn in einer Klausur das Textverarbeitungsprogramm abstürzt und so Daten verloren gehen.

Der Testbericht als Audio

Hinweis: Das Testgerät wurde uns für die Dauer des Testes von BRACK.CH zur Verfügung gestellt

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