Testbericht: Fünf Tage mit dem OnePlus 5

Mit dem OnePlus 5 bringt der chinesische Smartphone-Hersteller die nächste Flagschiff-Generation auf den Markt. Wir haben das Gerät eine Arbeitswoche getestet.

Bereits seit dem vergangenen Juni ist die fünfte Generation des OnePlus erhältlich. Auf dem Papier überzeugte das Smartphone von Beginn an und sorgte mit seinem riesigen Arbeitsspeicher, seiner Dual-Kamera sowie dem noch einmal stark verbesserten Prozessor für Aufsehen. Das Gerät kann das Gerät mit den aktuellen Konkurrenten von Samsung und Apple mithalten, doch der Preis ist mit rund 600 Franken im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich angestiegen. Konnte die OnePlus-Serie einst noch mit Spitzen-Hardware zu rekordtiefen Preisen punkten, bewegt sich die Firma mittlerweile im Bereich von Samsung und Apple.

Beim Auspacken fällt auf, dass im Lieferumfang keine Kopfhörer mit inbegriffen sind. Diese Entscheidung mag zuerst verwirren, allerdings sind bei den meisten Smartphones die standardmässig mitgelieferten In-Ears sowieso kaum brauchbar und landen über kurz oder lang im Mülleimer. Für uns also kein Minuspunkt. Ansonsten erhält die Packung eine Kurzanleitung, ein USB-C Kabel sowie den OnePlus-typischen Dash Carger für das schnelle Aufladen. Überraschend hat sich OnePlus allerdings gegen Wireless Charging entschieden, angesichts des Zeitalters von drahtlosem Aufladen im Café um die Ecke eine unverständliche Entscheidung.

Beim erstmaligen Benutzen des Gerätes ist Vorsicht geboten, schnell kann es – sprichwörtlich – zu einem ersten Absturz des OnePlus kommen. Schuld daran ist nebst dem leichten Gewicht die extrem rutschige Rückseite. Nach mehrmaligem Gebrauch hat man sich zwar an diese gewöhnt und hält das Gerät sicher in die Hand, eine Schutzhülle empfiehlt sich im Alltagsgebrauch dennoch.

 

Display mit FullHD, unter der Haube (fast) konkurrenzlos

Wer ein Display ohne Ränder sucht, ist beim OnePlus 5 definitiv an der falschen Adresse. Auf beiden Seiten besitzt das Gerät deutlich sichtbare Ränder, welche allerdings im Alltagsgebrauch eher wenig stören und für das Gerät sogar noch einen zusätzlichen Schutz bieten. Angesichts der immer häufiger auftretenden randlosen Displays sollte der Hersteller bei der nächsten Generation allerdings nachlegen. Netterweise klebt die Firma von Haus aus auch noch gleich eine Folie auf das Display, welche einen weiteren Schutz vor Kratzern oder gar Sprüngen im Glas bietet. Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt OnePlus beim 5,5 Zoll-Display weiterhin auf eine FullHD-Auflösung mit 1080p. Zwar macht sich dies im Alltag kaum bemerkbar, komplexere Dinge wie beispielsweise Virtual Reality ist mit diesem Bildschirm aber kaum möglich.

Unter der Haube werkelt ein Qualcomm Snapdragon 835-Prozessor, welcher auch in anderen Top-Modellen wie beispielsweise dem Samsung Galaxy S8 verbaut ist. Zusammen mit bis zu 8 GB RAM erledigt das Gerät jede Aufgabe im Handumdrehen und gehört zu den Arbeitstieren auf dem Smartphone-Markt: Die Kamera startet sofort und löst genauso schnell aus, Apps bleiben im Hintergrund lange geöffnet, Games lassen sich ohne Ruckler spielen und aufgrund des neuen Fertigungsverfahren hält auch der Akku deutlich länger als beim Vorgänger. In unserem Alltagstest kamen wir bei häufiger Nutzung problemlos durch einen Arbeitstag hindurch, vor dem abendlichen Ausgang sollte das Gerät allerdings noch einmal kurz an die Steckdose.

 

Gute Kamera mit kleineren Einbussen, Software überzeugt

Den Fokus legt der Hersteller gerne auf die neue und überarbeitete Kamera. Auf der Rückseite sitzt neu eine Dual-Kamera, welche mit 16 respektive 20 Megapixeln auflöst. Bei zweifachem optischem Zoom lassen sich dank dem Teleobjektiv noch immer scharfe Fotos schiessen, danach nimmt die Qualität aber schnell ab. Farben werden natürlich dargestellt, Schnappschüsse sind dank dem schnellen Auslöser ebenfalls möglich, die Fotoqualität insgesamt ist gut. Auch einen Porträtmodus hat OnePlus integriert. Dieser funktioniert gut, tendiert aber besonders bei künstlichem Licht dazu, die Ränder des Gesichtes sowie die Haare verschwimmen zu lassen. Bei schwachem Licht tritt manchmal ausserdem ein leichtes Bildrauschen auf, meist kommt das Gerät aber auch mit schwachen Lichtverhältnissen klar.

Wie bereits bei seinen Vorgängern setzt OnePlus auch in diesem Jahr wieder auf das hauseigene OxygenOS, welches auf Android 7.1 beruht. In den Einstellungen sind weitreichende Änderungen am System möglich, so kann beispielsweise die Taskleiste angepasst oder die Tastenbelegung geändert werden. Insgesamt bietet OxygenOS eine schnelle und intuitive Software ohne unnötige Zusätze, aber mit vielen Möglichkeiten. Direkt nach dem erstmaligen Aufsetzen sollte jedoch eine Software-Aktualisierung durchgeführt werden, da es in der standardmässig aufgespielten Version 4.5 öfters zu App-Abstürzen oder eingefrorenen Bildschirmen kommen kann.

 

Fazit: Arbeitstier mit kleinen Wermutstropfen

Insgesamt bietet OnePlus mit dem aktuellen Flaggschiff ein solides Paket für einen mittlerweile ebenfalls soliden Preis. Die tiefen Preise der letzten Jahre gehören der Vergangenheit an, für die in der einfachsten Version rund 600 Franken erhält man jedoch ein gutes Gerät mit einer insgesamt guten Kamera, einer für Smartphone-Verhältnisse spitzenmässigen Rechenleistung und einem schnell und intuitiv funktionierenden Android-System. Aufgrund der Leistung unter der Haube kann das Gerät vor allem für Nutzer attraktiv sein, welche viel zwischen Apps hin- und herwechseln müssen. Grösster Wermutstropfen ist allerdings das Display, welches nur in FullHD auflöst. Das ist zwar noch immer okay – aber eben auch nicht mehr.

Hinweis: Das Testgerät wurde uns für die Dauer des Tests von Digitec zur Verfügung gestellt.

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